1996 Lars Riedel und Karlheinz Steinmetz

Holzig Latern (1996)
 

In den Aufzeichnungen des KVD ist zu lesen:

Die Verleihung der "Holzisch Ladern" 1996, der höchsten Auszeichnung des Karnevalverein Dieburg 1838 e.V., stand diesmal ganz im Zeichen einer erfolgreichen Ost-West-Verbindung."Solidaritätszuschlag", "Altlasten Ost", "Stasi-Seilschaften", "Besser Wessi". Gut 5 Jahre nach der Deutschen Einheit im Oktober 1990 sind dies nur einige der negativ geprägten Begriffe, die sich im Zuge des Zusammenwachsens von Deutschland Ost und West in unseren Köpfen festgesetzt haben.

Steinmetz (li.) und Riedel (Mi.)

   

Der Karnevalverein Dieburg 1838 e.V. zeichnet deshalb in diesem Jahr zwei Personen mit der "Holzisch Latern" aus, die ein absolut positives Beispiel für die Deutsche Wiedervereinigung verkörpern und denen hinsichtlich des Zusammenwachsen bzw. des Zusammenlebens zwischen Ost und West wahrlich ,,e Licht uffgegange" ist.

Es handelt sich dabei um zwei Sportler:Den Dieburger Karlheinz Steinmetz und den Chemnitzer Lars Riedel, die nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR zusammenfanden, eine persönliche Freundschaft entwickelten und zunächst außerhalb jeglicher Sportförderungsmaßnahmen eine erfolgreiche Ost-West-Verbindung eingingen.

Der Dieburger Diskuswurftrainer Karlheinz Steinmetz entdeckte kurz nach der Wende in der ehemaligen DDR und noch lange vor Vollendung der Deutschen Einheit im Oktober 1990, den damals 23-jährigen Chemnitzer Maurer Lars Riedel. Er erkannte sofort wie talentiert Riedel mit dem Diskus umging; gleichwohl galt er in der ehemaligen DDR als nicht förderungswürdiger Sportler.

Aufgrund dessen arbeitete Lars Riedel damals in seinem gelernten Beruf als Maurer auf dem Bau. Um sein Talent nicht zu vergeuden, holte Karlheinz Steinmetz den nicht mit Fördergeldern ausgestatteten Riedel auf eigene Kosten nach Dieburg. Er bot ihm, bis er eine eigene Wohnung gefunden hatte, vorübergehend Quartier in seinem Haus im Buchenweg. Später brachte Karlheinz Steinmetz seinen Schützling beim USC Mainz unter, blieb aber weiterhin sein persönlicher Diskuswurftrainer.

Erste Erfolge stellten sich im Sommer 1990 bei einem Länderkampf in Italien ein. Nachdem der ehemalige DDR-Nationaltrainer im Diskuswerfen Steinmetz noch mitgeteilt hatte, dass aus Lars Riedel sowieso "nix werden wird", warf Riedel Jahresweltbestleistung. Weitere Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Weltmeister 1991 in Tokio, Weltmeister 1993 in Stuttgart, Weltmeister 1995 in Göteborg und als absoluter Höhepunkt Olympia-Sieger im Laternenjahr 1996 in Atlanta.

Das Duo Steinmetz-Riedel hat bis heute zweifelsfrei eine eigene Ost-West-Erfolgsgeschichte geschrieben. Unter dem Dieburger Fastnachtsmotto der Kampagne 1995/96: "Auf die Plätze, fertig, Äla!" wurden am Rosenmontag 1996 zwei Personen ausgezeichnet, die auf kleinster, nämlich auf zwischenmenschlicher Ebene, ein Beispiel für die erfolgreiche Verwirklichung der inneren Einheit zwischen Deutschen aus Ost und West gegeben haben.

 

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