1990 Werner Rühl +

Holzig Latern (1990)
 

In den Aufzeichnungen des KVD ist zu lesen:

Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung der "Holzig Latern", die in diesem Jahr an den Mundartdichter Werner Rühl aus Darmstadt ging.

Rühl ist schon seit vielen, vielen Jahren ein Freunde der Dieburger Fastnacht und hat durch seine zahlreichen Gedichte und Bände die hessische Mundart populär gemacht. Weiterhin ist er als Mitglied der Darmstädter Spielgemeinschaft als Aktiver bei Mundartstücken wie beim "Datterich" zu bewundern.

 

Werner Rühl (li.)
 
Am Montag der Rosen da grüße ich gern,
der Gäste illusterer Schar:
Gar reizvolle Damen - honorige Herrn,
natürlich mit einem Äla!
Ich hoffe, daß wohl die vergangene Nacht,
Erfüllung für Sie uns Spaß hat gebracht.

Frühling läßt sein blaues Band,
wieder flattern durch die Lüfte,
als vorhin ich am Fenster stand,
genüßlich riechend Kuchendüfte,
dazu die gold'nen Sonnenstrahlen,
die leider jeden Suff enttarnen,
zog ich das Resume ohn' Prahlen,
wir wollen freu'n uns - niemals warnen:

Wer nit huppe dutt an Fas'nacht,
hat e'n Dubbe - der kaan Spaß macht!

Ein herrlicher Anlass verscheuchte den Schlaf:
Wir kamen, dies Paar zu erfreu'n,
lang frug man im Städtchen sich, wen es wohl traf,
wem darf man Konfetti wohl streu'n?
Seit gestern da weiß man's - wir huldigen sehr,
dem närrischen Paare gebühret die Ehr!

Zur Huldigung - bitte - geziemt sich ein Rahmen,
bei Prinzens ist derlei normal,
drum denk ich, daß deshalb wohl sie alle kamen,
und quasi als Krönung - so möchten wir's seh'n,
soll stets die Verleihung der Holzig doch steh'n!

Im letzten Jahr wurde von uns geehrt,
aus Aubergenville der Robert,
dieweil er die partnerschaft nicht gern entbehrt,
kam dies' Jahr auch wieder er her.
Ich grüß' auch natürlich mit Äla sehr gern,
Marianne und Jörg hier mit ihrer Latern.

Wer vorletzte Woch' hockt nit uff de' Leitung,
der konnt' aanes morjens doch lese,
es stand ganz ausfiehrlich (nit in jeder Zeitung),
wem's Licht uffging - wer es gewese.
Wir wor'n uns ganz aanich: Des werd prima wer'n,
Mi'm Neie - dem Träscher der Holzig Latern.

Ja, mancher der freescht sich: Was horrer dann nur,
der babbelt uff amol ja platt?
Die Semmer dehn saache: Der iss nit mäi klur!
Doch - alles zwaa Seite meist' hat.
Meer liewe die Mundart unn pflege s'e gern,
Dem Neie gäiht's g'rad sou - schunn ouhne Latern.

Die meisde vun Eich häwwen längst schunn enndeckt,
er iss grouß unn lang - hott zwaa Knie,
er hott veel gedicht schunn, besinnlich geneckt,
unn hott e' bekannt Physiognomie,
daß er aach e'n Butze iss - glaabt kaum mer im Hern,
e'n richdische Griene grieht heit die Ladern.

Während annern beim Äla - do sitz ich dehaam,
mach Versjer - obwohl mer's nit leit,
unn denk mer: Desswerd heit e'n kritische Kram,
bei sou emre Dichter - plus Leit,
Do krieht mer Komplexer - Dess häbb ich nit gern,
bei sou emre Genius - schunn ouhne Latern.

Macht zu mol die Aache, Denkt Eich die Zahl Hunnert,
dann nemmt Ehr se mal mol mal siwwe,
die Zahl die dann rauskimmt, dess jeden wohl wunnert,
ja, dess gebiet' Achtung - dess mache mer gern.
Drum: Bitte die Kapp' ab - vor dem mit Latern.

E' ganz Masse Bischer - die im Dialekt,
(selbst Konsalik kimmt do nit mit!)
schunn veele hot er sou e' Licht uffgesteckt,
wor offe - beleidigend nit!
De' Leit halt uff's Maul gucke, dess macht er gern,
ich wett': 's werd noch besser - mit de Holzig Latern.

Sou hott er, de Neie, soin Geist strapaziert,
doch Gehirnzelle häwwe des gern,
doch aans mit Verlaub hott mich stets int'ressiert:
Wenn laufend mer ner uffem Pegasus reit?
Ich wechs'le zum Staat, hoffentlich ist's noch Zeit.

Ja, dichte unn denke sinn gure Ve'wandte,
drum frönt er dem Spiel uff de' Bühn',
in herrliche Rolle mer ihn schon erkannte,
aach do läßt's Dialekt er erblüh'n!
Kaan annern speelt besser den Bengler unn gern,
als er, unsern Mime hier, glei mit Latern.

Unn guckt mer ins Lewe - in ihr's unn in mein's,
dann kimmt mer bestimmt zu dem Schluß,
dass manche Passage Komödie ner wor!
Unn ouhne Pointe, ner Stuß,
ja, ich stünd' zum Spaß uff ner Spiel-Bühn' mol gern,
doch ouhne Latern werd dess niemols was wer'n.

Vunweje hier Bühne - er hott e' echt Laster:
er liebt unser Fastnacht gor sehr.
Drum kimmt er aach jed' Johr mit Fraa - selten paßt er,
zu unsere Sitzunge her.
Er uns mescht Reklame ehrlich unn gern,
unn die Idee hatt 'er schunn ouhne Latern.

Sou stand doch im Januar - par excellense,
vum letzde Johr - echt - Dunnerwetter,
e' Reklame fer's Äla - jed' Insider kennt s'e,
in Hunnertdausend Zeitungsblädder.
Er hott uns beneidet, weil alles von uns,
do ging aam e' Lilcht uff - ganz ouhne Gestrunz.

Ich dacht' mer - als Leiter der städt'schen Kultur,
was macht so e'n Mann dann in Rente?
Unn plötzlich do hatt' ich e' geistige Spur:
Herr Peter Christ - ich maan - der kennte,
weil dieser Mann hott veel Humor unn aach Herrn,
in Dieborsch - wie wär's dann (?) - de Stadtschreiwer wer'n!

Mit Sicherheit dhet s'e dess äijern, die Heiner,
meer häwwe halt Grips uffem Land,
meer häwwe e'n Schreiwer - sou härren halt keiner,
wer'n dodorch noch mäiner bekannt.
Im Fechenbach wär' dann soin Sitz - er tät's gern!
Dann kennt' aach mol aus unser'm Schloß ebbes wer'n.

Soi Liewe die gilt halt de' Mundart schunn immer,
in Dieborsch iss gern er zu Gast.
Ich glaawe: Sou Liebschafte läßt mer aach nimmer,
Liesel Kähler hatt's aach so erfaßt:
Bei ihre Senioren do wor er der Stern...
ein Äla zur Liesel (+) hoch! Des tun mehr gern.

Die Medien! Die Medien! Als zeitgeist'ger Knüller,
beliefern uns Konsument Mensch,
und bringen uns täglich - mit Headlines als Füller,
den Leser in Harnisch! Man kennt's,
entspannend dagegen - erleichtert - erfrischt,
liest sich's halt mal eben in Uffgetischt!

Wir freuen uns alle - 's Inkognito fällt,
ich bitte Herrn Rühl zu mir her,
bin sicher mir, daß er in Ehren sie hält,
die Holzig Latern - die nit schwer,
dazu eine Urkund - auf Bütten in Leder,
aus Präsident's Händen - (ihn kennt ja wohl jeder)!

Ich bitte Sie hiermit das Kleinod zu nehmen,
kein Leuchter - kein Lüster - nur klein,
versehen mit Nummern und and'ren Emblemen,
soll's ein Unikat für Sie sein!
Für viele Ideen noch, das wünschen wir gern:
vom Karnevalverein Dieburg - die Holzig Latern!

Für das Prinzenkomitee
Robert Thomas

 
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