1987 Marianne Paul +

Holzig Latern (1987)
 

In den Aufzeichnungen des KVD ist zu lesen:

...Weiterer Glanzpunkt war die Verleihung der "Holzig Latern" an Marianne Paul, der Redakteurin und Herausgeberin des "Dieburger Anzeiger".

Am Morgen da grüße ich Gäste stets gern,
wenn Rahmen und Anlaß gegeben.
Mein Gruß gilt den Damen und auch so den Herrn.
Ich bitt' sie ihr Glas zu erheben.
Ein Prosit dem Chef heut' - Erfolg für das Haus!
Herrn Pullmann mit Holzig Latern ein Applaus!

 

V.l.n.r.: Robert Thomas, Marianne Paul, Wolfgang Dörr
 
Wir freuen uns, daß wir zu Gast können sein,
jetzt wieder im Haus Mainzer Hof,
und wer die Notwendigkeit sieht noch nicht ein,
der ist - mit Verlaub - wirklich doof!
Das Haus ist ein Aushängschild und das vom Besten,
und heut' woll'n wir Küche und Keller mal testen.

Die Holzig Latern soll stets tragen - fürwahr -,
dem uffging e' Licht für uns all.
Wir stehen zur Wahl von Herrn Pullmann letzt Jahr,
wie dies' Jahr! Ohn' Frag'! Klarer Fall!
Mit Kritikern muß man im Leben halt leben,
doch tun sie's notorisch, ignoriert man sie eben.

Auch dieses Jahr bleibt die Latern in der Stadt,
bei wem und warum ist bekannt,
und daß uns're Wahl doch auch Gründe wohl hat,
das sei Ihnen kurz mal genannt.
Drum lassen erklärend Sie mich in paar Bildern,
in Kürze den Weg uns'res Anlasses schildern.

Man weiß gar sehr - und keiner irrt sich -,
man schrieb gar 1848,
als hier, direkt am Gersprenzstrand,
für drauß' die Welt noch unbekannt,
das Wochenblatt zuerst erschien,
'ne Zeitung, so für sie und ihn.

Damals, da dachte man noch klar,
denn diese Zeitung, bitte, war,
Organ - und zwar ein offizielles.
Doch heute ist sie nicht mehr selles,
dieweil wir leider - lang ist's her -,
sind kein Regierungsbezirk mehr.

Sie suchte damals nach Verbreitung,
Wer? Dieburgs eig'ne Tageszeitung.
Bald freute jeder sich im Städtche,
wenn gegen Abend kam das Bläädsche.
Ob alt, ob jung - in jedem Haus,
las einer was für sich heraus.

Die Bolidik war dort beschriwwe,
aach was im Rothaus werd getriwwe,
wie mer die Fas'noacht hott gefeiert,
unn wann de' Schorsch die Kätt' geheiert,
aach wer geseschent hot die Zeit,
fer den 's um 12 schunn ausgeleit!

War aam en Stallhoas fortgelaafe,
sucht aaner erjend woas zu kaafe,
wou's Stoff gitt, eleschant zu trage,
unn Kukirol fer Hiehneraache,
so las mer's dorsch vun vorn bis hinne,
im Bläädsche konnt' mer alles finne.

Dann zog herauf der schwarze Tag:
Verschwunden war's mit einem Schlag!
Weil's zu schwarz war orientiert,
hat es das Dritte Reich kassiert.
Die Zeitungsdrucker hatten Ruh',
doch Dieburg selbst - sah traurig zu.

Somit kam eine stille Zeit,
nichts gab's zu lesen weit und breit,
von Dieburg so in den Gazetten.
Man war vergessen, woll'n wir wetten,
so auf dem Land! Doch, bitte, nein:
Im Jahre 1940 - neun.

War auch das Bläädsche wieder da,
wie es so nennt die Bürgerschar,
ganz liebevoll - von altersher -,
drum: Neue Kundschaft fiel nicht schwer.
Das alte Brauchtum konnt' man pflegen:
Das Wort und Bild in Druck zu legen.

Und wieder wurd' das Zeitungsblatt,
das man dazu berufen hat,
das Gute, aber auch die Sünden,
in buntem Lichte zu verkünden.
Für's Gute sagt der KVD,
für alle Narren Dankeschee!

Dafür, daß immer allezeit,
für'n Spaß war'n Spalten stets bereit,
dieweil doch alle Fas'nachtsnarren,
der frohen Kunde gerne harren,
ob Sitzungszeit, ob Fas'nachtstage,
stets kann die Zeitung man befrage.

Wo Maskenbälle finden statt,
wer gar noch Sitzungskarten hat,
wie, wann und wo - woher - wohin,
wo wohl des Fas'nachtszug's Beginn.
Und schnellstens liest man - das ist klar -,
wer dann auch Dieburgs Prinzenpaar.

Das war ein kurzer Lebenslauf vom Bläädsche,
und damit zeigt sich Tradition,
sein Stellenwert der steigt im Städtche,
das sieht man an der Auflag' schon.
Und den Erfolg kann, ohn' gar zu übertreiben,
Frau Paul sich mit Recht in's Verlagsbuch schreiben.

Im Jahr '78 - als sie übernahm,
war's Blatt g'rad' 100 + 30.
Ab dieser Zeit ging es dann stetig bergan,
und Konkurrenz schlief nicht. Das weiß ich!
Die Branche ist hart schon! Man muß was verstehen!
Sonst trifft ei'm der Schlag - wie am Tagblatt zu sehen.

Die Rote Marianne wird Grün schon gehandelt,
(das Rote bezieht sich auf's Haar!),
sie hätte auch schon mit den Roten gebandelt,
das sagen die Schwarzen. Ganz klar!
Doch, bitte - ich meine - und so sieht man's gern,
das Blatt ist für alle! Nur so kann's was wer'n!

Es hat sich gemausert - das Bläädsche - KV!
(KV heißt: Kei' Frag - Wegem Reim!)
Und viele im Städtchen die wurden nun schlau:
Ein Abo bringt's DA ins (Haus) Heim!
Denn blöd sind Gerüchte die momentan laufe:
Frau Paul würd das Darmstädter Echo aufkaufe!

Die Medien! Die Medien! Als zeitgeist'ger Knüller,
beliefern den Konsumenten Mensch,
und bringen tagtäglich mit Headlines als Füller,
den Leser in Harnisch! Man kennt's!
Der Anzeiger Dieburgs - da sei nicht vergessen,
beschäftigt mit Brauchtum sich auch unterdessen.

Ich lobe die Absicht, ich lobe das Tun,
der Chefin von diesem Verlag,
daß ihre Bestrebungen wirklich nicht ruh'n,
vergessenes holen zu Tag.
Wir danken! Denn wär's nicht - wär's traurig und Hohn,
in unserer Stadt wohl mit der Tradition.

Als Fazit des Ganzen - ich sag's mit Gescharr:
Uns Dieboijer fehlt bißje Stolz!
In anderen Städtchen da ist man kein Narr,
da würd' man sich freuen! Was soll's!
Wir fallen jetzt nicht der Frau Paul gar zu Füßen,
doch möchten wir sie ob der Leistung wohl grüßen!

Indem wir Sie bitten - wir tun es sehr gern -,
zu uns sich nach vorn zu begeben,
zum Zwecke der Aushändigung der Latern,
da müssen Sie sich mal erheben.
Des isse: e' dynamisch, energisches Mädche,
die Chefin - die Seele - die Machern vom Bläädsche!

Ich bitte Sie hiermit dies' Kunstwerk zu nehmen,
gefertigt von Hand - nicht vom Band.
Versehen mit Nummer und and'ren Emblemen,
ab heut' sei ihr Licht der Garant,
für weiteres Wirken - das sagen wir gern,
im Scheine der Kerz von der Holzig Latern!

Für das Prinzenkomitee
Robert Thomas

 
 
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