2007 Augsburger Puppenkiste

Holzig Latern (2007)
 

Holzig Latern für Augsburger Puppenkiste

Die vom Dieburger Karnevalverein zu vergebende höchste externe Auszeichnung, die "Holzig Latern", erhält im Jahre 2007, für das jahrzehntelange Engagement im Bereich Unterhaltung für Kinder und die Pflege der Mundart innerhalb ihrer aufgeführten Puppenspiele, die "Augsburger Puppenkiste".

Wer kennt sie nicht, die vielen kleinen Stars der Marionettenbühne aus Augsburg. Viele der Puppencharaktere haben Kultstatus erreicht. Man denke nur an Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer oder Kater Mikesch, Bill Bo den Räuberhauptmann mit hessischem Akzent, das Urmel aus dem Eis oder die tollpatschige Blechbüchsenarmee. Sie alle haben Generationen von Kindern in ihren Bann gezogen und haben bis hin zu den erwachsenen Zuschauern auch heute noch ihre Fans in allen Altersklassen. Bei vielen Liedern oder Zitaten denkt man unweigerlich an die von Fäden gesteuerten Holzpuppen. Ein Remix des "Urmelliedes" und der Song "Eine Insel mit zwei Bergen" landeten in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gar auf vorderen Plätzen in den Hitparaden:

Augsburger Puppenkiste (Fotos: Augsburger Puppenkiste)

 

 

"Eine Insel mit zwei Bergen in dem tiefen blauen Meer, mit viel tunnels und Geleisen und 'nem Eisenbahnverkehr. Sag wie mag die Insel heißen, ringsherum ist feiner Sand, jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland!"

Von den Geschichten des "Urmel aus dem Eis" ist der Sprachfehler des Pinguins in bester Erinnerung. Er konnte kein s-c-h aussprechen und so wurde aus "eine schöne Muschel" - "eine pföne Mupfel". Einfach köstlich. Bill Bo dagegen war ein raubeiniger Zeitgenosse aus Hessen und hat "seine Kumpanen", die ihm zugegebenermaßen in Bezug auf Tollpatschigkeit in nichts nachstanden, meist mit den Worten beschimpft: "Bombengranatenelementblitzplotzdonnerwetterhimmelsaperamentnochmal!"

 

In dieser Geschichte kamen auch noch viele weitere Dialekte vor, so z.B. der Sachse Kill Waas oder der rote Hein aus dem Schwabenland und der Bayer Gselcher. Die Aufzählung dieser bekanntesten Gestalten mit ihren Eigenarten könnte man etwa mit dem kleinen König Kallewirsch, dem Prinz von Pumpelonien, dem Sams, dem Löwen, der los war, und weiteren Figuren beliebig fortsetzen.

 

An diese großen Erfolge dachte der Gründer der "Augsburger Puppenkiste", Walter Oehmichen, sicher nicht, als er 1940 als Soldat in Calais in eine kleine Schule einquartiert wurde, wo er ein kleines Puppentheater entdeckte, mit dem er fortan seine Kameraden unterhielt.

 

Zuhause in Augsburg baute er dann 1943 mit seiner Frau Rose und den beiden Töchtern Hannelore und Ulla sein erstes eigenes Marionettentheater, das jedoch im Jahr nach der Gründung bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Im Februar 1948 begann der Triumphzug der "Augsburger Puppenkiste" im neuen Theater im ehemaligen Heilig-Geist-Spital in Augsburg, wo die "Puppenkiste" auch heute noch beheimatet ist. Bei der Premiere hieß das Stück "Der gestiefelte Kater".

 

Die erste Fernsehproduktion folgte 1953 mit "Peter und der Wolf" und wurde vom Nordwestdeutschen Rundfunk live ausgestrahlt. Die meisten Fernsehproduktionen wurden später lange Jahre vom Hessischen Rundfunk produziert. Auch bei dem Kinofilm "Die Story von Monty Spinneratz" im Jahr 1995 war der Hessische Rundfunk beteiligt.

 

Sogar auf einer Briefmarkenserie der Deutschen Bundespost im Jahr 1965 waren die kleinen Stars des Marionettentheaters zu bestaunen.

 

Inzwischen sind in der dritten Generation die Brüder Klaus und Jürgen Marschall, die Enkel des Gründers, an der Spitze der Geschäftsführung des Puppentheaters. Jürgen Marschall ist verantwortlich für die Gestaltung und Anfertigung der Marionetten sowie die Gaststätte "Die Kiste", die dem Puppentheater angegliedert ist. Sein Bruder Klaus Marschall führt den Bereich Theater. Hier sind unter anderem 15 Puppenspieler und -spielerinnen tätig. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeiter.

 

Mit vier Spielern werden inzwischen auch Auftritte in Kinderkrankenhäusern absolviert. Dort spielt man das Mutmach-Stück "Das kleine Känguruh und der Angsthase". Im Jahr 2004 wurde die Fernseharbeit der Macher der "Augsburger Puppenkiste" mit der Goldenen Kamera belohnt.

 

Wir, der Karnevalverein Dieburg 1838 e.V., wollen mit der Verleihung der "Holzig Latern" dem gesamten Team der "Augsburger Puppenkiste" eine Auszeichnung für das jahrzehntelange Engagement im Bereich der Kinderunterhaltung zukommen lassen. Wir wünschen der "Augsburger Puppenkiste" weiterhin viel Erfolg!

 

Für das Prinzenkomitee

Friedel Enders

 
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