2001 Hans Melvin Haus und Bernard Schmidl

Holzig Latern (2001)
 

Holzig Latern 2001 für zwei erfolgreiche Behindertensportler

Der Karnevalverein Dieburg 1838 e.V. verleiht in diesem Jahr seine höchste extern zu vergebende Auszeichnung, die "Holzig Latern", zwei Sportlern, die im Behindertensport zu Wasser und auf dem Hallenparkett die deutsche Leistungsspitze in ihrer Sportart entscheidend mitgeformt haben. Beide haben trotz ihrer körperlichen Behinderung schon viele lahre lang sportliche Höchstleistungen geboten.

Hans-Melvin Haus (ganz re.) und Bernard Schmidl (2.v. re.)

   

Sie haben nie resigniert und sind für andere behinderte Menschen zum Vorbild geworden. Sie haben nie den Kopf hängen lassen und sind Ansporn für ihre leicht- oder schwerbehinderten Mitmenschen. Dies alles hat den KVD dazu veranlasst, ihnen am Rosenmontag die "Holzig Latern" zu überreichen.

Der KVD ehrt den dreimaligen Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, der Olympiade für Behinderte, Bernard Schmidl aus Crumstadt (Ried) und den mehrmaligen Deutschen Meister und Medaillengewinner bei den World Wheelchair Games in England, Hans Melvin Haus aus Dieburg. Bernard Schmidl und Hans Melvin Haus sind zwei der stillen Stars des Wettkampfsports.

Wer kann sich rühmen, dreimal in Folge olympisches Gold im Volleyball gewonnen zu haben? Bernard Schmidl gelang dieses Kunststück zuletzt im Oktober 2000 in Sydney bei den Paralympics. Erst mit 21 Jahren lernte der jetzt 33 Jahre alte Diplombetriebswirt Schmidl das Volleyballspiel. Drei Jahre danach hatte er bereits den Stammplatz in der Nationalmannschaft sicher. Er war immer der Jüngste und ist es bis heute geblieben. Es folgten Jahre des Erfolges. Höhepunkte waren die Olympischen Spiele in Barcelona, Atlanta und Sydney. Oder auch das WM-Turnier 1994 in Deutschland, in ausverkauften Hallen. WM-Silber erinnert daran. In Australien spielte die deutsche Auswahl all ihre Routine, Geschlossenheit, taktisches Geschick sowie psychologische Stärken und Tricks aus. Sie kompensierte damit ihr hohes Alter und physischen Verschleiß. "Es ist nicht leicht, mit so einer Behinderung so viel zu trainieren, und wir trainieren sehr viel", sagt Bernard Schmidl nach neun Jahren Leistungssport mit Handicap. Beruf, Belastung und körperliche Abnutzung (linke Schulter) setzen Grenzen. Bernard Schmidls Handicap ist eine Verkürzung des rechten Armes und der rechten Schulter. Er war vier, als sich der Anhänger von einem Traktor löste und ihn gegen eine Hauswand quetschte. Irgendwie, erzählt er, hätten die Ärzte die Nervenstränge wieder ganz gut zusammengewurstelt, weil das Gefühl später teilweise zurückgekommen ist in den Arm, der seit dem Unfall nicht mehr mitwachsen wollte und den er meist schützend wie ein verletztes Reh an seinen muskulösen Körper presst. Das Ergebnis an diesem Tag im Jahre 1971 purzelt so emotionslos aus seinem Mund wie die Erinnerung an einen verlorenen Satz beim Volleyball: "Abhaken und weiterspielen, jetzt bloß kein Mitleid erwecken, das haben andere verdient", sagt Bernard Schmidl.

So konsequent er seinen Rückzug aus dem internationalen Spitzenvolleyball in diesem Jahr einleitet, Schmidl will sich nun mehr um Beruf und Familie kümmern, so professionell bereitete er sich auf seine letzten olympischen Spiele im vergangenen Oktorber vor. Faktisch arbeitslos - der Arbeitgeber bot dem diplomierten Betriebswirt keine Freiräume - schindete Schmidl sich bis zu dreimal täglich auf eigene Kosten. Rund 30.000 DM habe ihn das vergoldete Unternehmen Sydney letztlich gekostet, dagegen wirken die rund 2.000 DM, die die Deutsche Sporthilfe den Behinderten-Volleyballern als Medaillenprämie ausschüttete, wie ein Hohn. Trainieren wie die Profis und sich dann doch mit einem Handgeld abspiesen lassen. Aber die Liebe und der Erfolg zum Volleyball hat dies alles überwogen.

Dies gilt auch für unseren zweiten und jüngsten Laternenträger in der Geschichte des KVD, den Dieburger Hans Melvin Haus. Der heute 23-Jährige wurde im Jahre 1981 aus einem Heim der Mutter Theresa in Bombay von der Dieburger Familie Bernhard und Dr. Edeltraud Haus adoptiert. Nach seinem Realschulabschluss und einer Lehre als Bürokaufmann hat er sich nun zu einem Computerfachmann hochgearbeitet.

Hans Melvin Haus wollte ja zuerst Fußball spielen, da er aber durch eine Lähmung seines linken Beines sehr stark gehandicapt ist, schloss er sich der Behindertensportgruppe des TV Groß-Umstadt, Spezialgebiet Schwimmen, an. Bereits ab 1989 nahm er an den Schwimmwettkämpfen des Deutschen Behinderten-Sportbundes teil und wurde hier mehrmals Deutscher Meister in seiner Jugendklasse. Als er im Jahre 1993 in die Jugendnationalmannschaft der Behinderten aufgenommen wurde, hat er den internationalen Durchbruch geschafft. Mit der Deutschlandstaffel der Behindertensportler belegte er bei den Internationalen Wheelchair Games in Stoke Mandeville (England) den zweiten Platz, ehe er 1995 in den erweiterten B-Kader der Nationalmannschaft aufgenommen wurde.

Durch unermüdlichen Trainingseinsatz, der mit mehrmaligen Medaillengewinnen bei den internationalen englischen Schwimm-Meisterschaften belohnt wurde, ist er 1998 zunächst in den Olympiastützpunkt Heidelberg aufgenommen worden und seit dem Jahre 2000 ist er Mitglied im Olympiastützpunkt Frankfurt und es wird intensiv trainiert, besonders seine Paradedisziplin Butterfly. Um näher an seinem Arbeits-und Triningsplatz zu sein, wohnt er zur Zeit auch in Frankfurt, "lieber trainieren, als im Zug oder Auto die kostbare Zeit vergeuden", ist Hans Melvins Devise.

Olympische Luft hat Hans Melvin Haus bereits bei der Teilnahme an den Paralympischen Jugendlagern in Barcelona und Atlanta geschnuppert. Durch seine sportlichen Leistungen ist er bereits heute ein Vorbild für die Jugendlichen im Behindertensport und wurde deshalb als Betreuer für das Paralympische Jugendlager im letzten Jahr in Sydney nominiert. Sein großes Ziel ist es, bei den Schwimm-Wettkämpfen in Athen im Jahre 2004 auf dem Siegerpodest zu stehen, so wie sein Mit-Laternenträger Bernard Schmidl in den Jahren vorher. Hans Melvins Paralympische Karriere steht vielleicht am Anfang seines Lebens, Bernard Schmidls Karriere neigt sich nach langen Jahren aufopferungsvollem Leistungssport dem Ende entgegen.

Der Karnevalverein Dieburg ist stolz, diesen beiden Ausnahme-Behindertensportlern die "Holzig Latern" überreichen zu dürfen. Wer sich trotz Behinderung nicht aufgibt und den Ansport zu solchen Leistungen findet, dem ist wahrlich "e Licht uffgegange!"

Für das Prinzenkomitee
Klaus Becker

 
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