80 Jahre Carneval-Club Dieburg: Ein Blick auf die Wurzeln der Dieburger Fastnacht

von Selina Baum

 
 

KVD erinnert mit einer Schaufensterausstellung an den fast vergessenen Carneval-Club (CC) Dieburg und zeigt, wie sich die Fastnacht und der Weg hin zum Karnevalverein Dieburg über Generationen entwickelt hat. 

 „Junges Herze – altes Erbe, auf dass die Fastnacht nie verderbe!“ 
(Motto des Fastnachtsumzugs von 1948) 
 
„… den Jungen Ansporn und den Alten eine Erinnerung…“ Dieser Auszug aus der Chronik des Carneval-Club Dieburg Clique 19 (CC) wurde vom Archivteam des KVD zum Anlass genommen, dem 80-jährigen Gründungsjubiläum des CC zu gedenken. 

Am 11.11.1946 gründete sich im Gasthaus „Zum Grünen Baum“ die Clique 19 als Vorläufer des Carneval-Club Dieburg, die es sich zur Aufgabe machte, die Dieburger Fastnacht in der Nachkriegszeit wiederzubeleben und ihr neues Leben einzuhauchen, nachdem die Weltkriegsjahre ein Feiern derselben unmöglich gemacht hatten. Schon an den Fastnachtstagen 1946 wagten sich einige junge Dieburger in Maske und Kostüm, trotz Verbots durch die Besatzungsmächte, auf die Straßen der Stadt. Doch fehlte es an organisiertem Narrentreiben. Dies übernahm ab November 1946 die Clique 19, die sich diesen Namen gab, weil viele Dieburger aus dem Jahrgang 1919 zu den Gründungsmitgliedern gehörten. Hierzu zählten bekannte Dieburger Größen wie Viktor Wick, genannt „Berschte-Wick“, Franz Rohr, Franz Hornung und auch Katharina Braun als weibliches Vorstandsmitglied. Die Wiedergründung des KVD nach dem Zweiten Weltkrieg war von der Besatzungsmacht noch nicht gestattet worden. Erst 1948 durfte sich der KVD erneut gründen und in der Dieburger Fastnacht aktiv werden. 

 
Bis dahin und auch danach lange Zeit parallel zum heutigen Karnevalverein Dieburg 1838 e.V. übernahm der CC die Aufgabe, der Dieburger Fastnacht wieder eine Struktur zu geben. Dies zeigte sich in der Organisation von Fastnachtssitzungen (1947 mussten neben dem Eintrittspreis Brennholz oder Briketts mitgebracht werden; auch der Wein musste vom Publikum selbst mitgebracht werden), Masken- und Kostümbällen und ab 1947 sogar wieder eines Fastnachtsumzugs. Bis November 1947 geschah dies ohne Genehmigung durch die amerikanische Besatzung, dann aber lizenzierte diese die Gründung des Vereins. Von da an hieß die Clique 19 offiziell „Carneval-Club Dieburg“ und legte sich mächtig ins Zeug. Bereits der Fastnachtsumzug 1948 hatte 37 Zugnummern! Das klingt in der Anzahl wenig, gemessen am heutigen Dieburger Umzug am Fastnachtdienstag, aber in der damaligen Nachkriegszeit mit ihrer Ressourcenknappheit war es eine wahre Sensation. Sogar Sonderzüge und Omnibusse kamen zum Einsatz, um die Zuschauer nach Dieburg zu bringen. 

Als 1948 der Karnevalverein Dieburg wieder gegründet werden durfte, blieb der Carneval-Club fester Bestandteil der Fastnachtstage und schaffte etwas, was der KVD in der aktuellen Kampagne auf die Beine stellt. Bereits 1949 gab es, gleichberechtigt neben dem Männer-Elferrat, einen Frauen-Elferrat („Elfchen“ genannt) mit einer eigenen Präsidentin, damals Erika Bonifer. Auch stellte der CC im weiteren Verlauf eine Kindersitzung auf die Beine, einen Kinderelferrat und 1951 ein eigenes Kinderprinzenpaar. Im Jahre 1962 allerdings löste sich der Verein auf. 

 
Heute wissen viele junge Dieburger gar nicht, dass einmal zwei Fastnachtsvereine parallel in Dieburg existierten. Dies möchte der KVD, mit Organisation durch das eigene Archivteam, nun ändern. Vom 05.11.2026 an zeigt der KVD in einer kleinen Ausstellung mit dem Titel „Aufgeblüht und verweht – die Geschichte des fast vergessenen Carneval-Club in den Schaufenstern des Friseurs Faust – Style & more in der Altstadt und des ehemaligen „Confettis“ in der Zuckerstraße. Eine Auswahl an Fotos und Erinnerungsstücken sowie jede Menge an Informationen rund um den CC und die Fastnacht in der Nachkriegszeit in Dieburg. Die Eröffnung der Ausstellung ist für den Abend des 05.11.2026 um 19:11 Uhr geplant. Treffpunkt ist in der Altstadt vor dem Friseurgeschäft Faust – Style & more in der Zuckerstraße, die Ausstellung wird bis zum ersten Advent zu sehen und hoffentlich „…den Jungen Ansporn und den Alten eine Erinnerung...“ sein.

 

 

 

Text und Foto: Manuela Paul, Archiv Team KVD